1. Dezember 2009

Wir begegnen realen Menschen

Einer gewissen Unvoreingenommenheit und Offenheit vorausgesetzt, kann sich jede Begegnung mit bis Dato unbekannten Menschen, wie ein Sturz in ein neues und aufregendes Abenteuer anfühlen. Oft weiß man nach Jahren nicht mehr, wie genau sich die erste Begegnung ergeben hat, wie das erste Treffen verlief und was genau es war das diese Verbindung über Jahre hat festigen können. Zumal sich keiner der Beteiligten zu eben diesem Zeitpunkt hat ausmalen können, das dieses Zusammentreffen Bestand und Entwicklungspotential versprechen könnte.

Oft beginnt es mit kleinen Gesten, die in uns etwas anrühren. Man vermag es nicht zu erfassen, ahnt nur eine flüchtige Gemeinsamkeit. Doch oft reicht diese Ahnung, um einen Prozess in Gang zu setzen, welcher jedes mal neue Gemeinsamkeiten generiert. Selbst an den Stellen, wo keine Übereinkunft gefunden werden kann, erlangt dieses Fehlen von Gemeinsamkeiten eine neue besondere Bedeutung. Denn sie zeigt, das es eben nicht nur jene Dinge sind, welche uns das Besondere im Anderen - im Fremden - erkennen lassen, sondern gerade das Trennende uns unseren besonderen Wert und unsere Einzigartigkeit aufzeigt. Was uns wertvoll macht und uns festhalten lässt. Wertschätzung!

Und darum ist es wichtig, auch und gerade den noch Fremden in unseren Leben, mit Achtung und Respekt, mit Wertschätzung und daraus resultierender Ehrlichkeit gegenüber zu treten.
Dieser Weg ist immer offen und er sollte es für jeden sein. Denn fehlbar ist jeder von uns, das macht uns menschlich. Was wir daraus machen, zeigt wer wir sind.


Wer ist in der Zeit dein Bildner gewesen,
da der Menschengeist weich wie Wachs ist,
wo die Eltern uns nicht mehr halten können,
und andere Leute nicht nach den Zügeln greifen,
die hinter uns dreinschleifen

Wo wir die Straße hinunter rasen,
die auf den Marktplatz des Lebens führt,
auf jenen Platz wo das Schicksal so ernst fragt,
Was bist du wert?

Denn so steht es ja,
Zu allen Lebenszeiten haben wir bestellte Ratgeber und Führer,
Eltern, Schule und Gesetze, Erfahrungen, Freunde, Sorge und Not;
aber in den Jahren, da ein Frühlingssturm nach dem anderen
den jungen, überschlanken Bäumen über die Köpfe fährt,
da sind wir ungestützt und unberaten

Hei, wie knackte es! Wie stoben die Blätter!
Wir haben Narben davon an der Seele,
und fahle Stellen im Gezweig.

Gustav Frenssen

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