Das Jahr neigt sich unwiderruflich seinem Ende entgegen. Es gibt Zeitgenossen, welche diesem Zeitpunkt nur einen menschlich erdachten Strukturpunkt in den Gezeiten der Abfolge des Lebens zumessen.
Und doch ist es so viel mehr.
Altes endet, die Hoffnung auf Neues, auf anderes, bekommt – zumindest in der individuellen Sicht auf geschehenes – einen neuen Schöpfungsgedanken.
Denn wo steht der Mensch in der Welt?
Einleiten möchte ich mit einer Aussage Erich Fromms. Er schreibt in seinem 1956 erschienenen Buch „Die Kunst des Liebens“ über das abgetrennt sein des Menschen in der Welt, ein Zustand, welcher letztlich ein tief innewohnendes Gefühl der Hilflosigkeit und Angst impliziert. Und gleichwohl unseren Drang zum Menschen und zu den Menschen begründet.
Jener Drang zur Wiedervereinigung, dem entfliehen der Isolation spiegelt sich scheinbar im wahrsten Sinne des Wortes, in einem bemerkenswerten Bereich des menschlichen Gehirns.
Die neurologische Forschung im Bereich der Spiegelneuronen ist noch ein recht junges Gebiet, aber es zeigt schon heute Wege auf, welche in Zukunft eine weit größere Tragweite beim Verständnis des menschlichen Geistes haben könnte. Der Begriff der Neuroethik sei an dieser Stelle genannt.
Der Mensch lernt durch Imitation. Wir imitieren unentwegt unsere Umwelt, größtenteils unbewusst – obwohl überwiegend unbewusst sicher der angemessene Terminus wäre. Wir imitieren und rekapitulieren jenes unbewusst erlernte Potenzial, unsere Reaktionen ähneln überwiegend einem Automatismus. Auch hier sind die Parallelen unserer nach Außen getragenen Reaktionen in den Spiegelneuronen aufgrund der Forschung recht eindeutig. Unsere Spiegelneuronen feuern schon in dem Moment, in dem sie die Absicht erkennen. Auch sind unsere Spiegelneuronen mit dem Teil unseres Gehirns verbunden, welche für die Emotionen zuständig sind. Insofern haben manch esoterisch angehauchte Zeitgenossen sicher nicht unrecht, wenn sie behaupten, das wir durch uns und unser denken unsere Realität erschaffen. Eine Realität in der wir weitaus häufiger nur mehr reagieren als wirklich frei zu agieren.
Diesbezüglich würde ich zusammenfassend behaupten, das wir nur in soweit frei in unseren Entscheidungen sein können, wie es unser durch Imitation unserer Umwelt geprägtes Gehirn zulässt.
Meistens kommt in diesem Moment, in dem wir unserer Selbstkreierten unbewussten Unfreiheit bewusst zu werden glauben, der Gedanke nach einem ultimativen Sinn in alledem auf. Vielleicht zeigt sich an jenem Punkt die Eingangs genannte Aussage von Fromm, das wir von dem tief sitzenden Gefühl des abgetrennt sein hinstreben, zu einer sinnvollen – ja kausalen Verbundenheit mit dem Leben im Ganzen, dem Universum und den wirren der Welt. Und vielleicht übersteigt diese Größe des erhofften Zusammenhanges und des Verstehens ein Gehirn, welches anatomisch eher dazu ausgelegt ist, die mehr oder weniger kausalen Zusammenhänge in seinem Umfeld und seinem direktem Gegenüber zu erfassen.
Im Allgemeinen sind die Sinnzusammenhänge, in denen sich der gemeine Mensch bewegt eher trivialer Natur.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf den Birkenbihl’schen Vortrag über Memetik hinweisen.
Meme als Sinntragende und identifikationsstiftende Kulturgene anzusehen, kommt m. E. dem nach kausalem Sinnzusammenhang suchenden Gehirn näher, als manch verkrümmter esoterischer Gedankengang, welcher eher im die Tatsachen verneinenden Exoterischen anzusiedeln ist. Und dennoch tun wir es in unterschiedlicher individueller Ausprägung stets wieder. Die verschiedenen theologischen Memplexe denen der Mensch anhängt, für die er Leid erträgt und in dessen Namen er sich zu unfassbaren Gewalttaten hinreißen lässt, zeigen die Tiefe dessen, was sie dem nach Überwindung des getrennt sein suchenden scheinbar offenbart. Eben das der Einzelne im Ganzen eine Bedeutung erfährt, zu einem Teil des ganzen wird. Die Neigung sich zu erhöhen ist unverkennbar und doch auch verständlich. Denn eben durch die Fähigkeit der direkten Imitationsfähigkeit des Gehirns, wird unser gegenüber zum Ich. Du wird Ich. Mem wird Ich.
Identifikation, von lat. Idem – facere = derselbe machen.
Wir handeln nach dem, wie wir es vorgelebt bekamen und uns via Imitation damit Identifizieren konnten.
Ob im Guten oder Schlechten, das Imitat wirkt auf uns und auf jene die sich mit unseren Sinninhalten identifizieren.
Fortsetzung folgt.
Ein individuelles Magazin zu multiplen Themen der Erscheinung des "Logos" in urbanen Lebenswelten.
31. Dezember 2009
24. Dezember 2009
Besinnliches zum Jahresende
1. Dezember 2009
Wir begegnen realen Menschen
Einer gewissen Unvoreingenommenheit und Offenheit vorausgesetzt, kann sich jede Begegnung mit bis Dato unbekannten Menschen, wie ein Sturz in ein neues und aufregendes Abenteuer anfühlen. Oft weiß man nach Jahren nicht mehr, wie genau sich die erste Begegnung ergeben hat, wie das erste Treffen verlief und was genau es war das diese Verbindung über Jahre hat festigen können. Zumal sich keiner der Beteiligten zu eben diesem Zeitpunkt hat ausmalen können, das dieses Zusammentreffen Bestand und Entwicklungspotential versprechen könnte.
Oft beginnt es mit kleinen Gesten, die in uns etwas anrühren. Man vermag es nicht zu erfassen, ahnt nur eine flüchtige Gemeinsamkeit. Doch oft reicht diese Ahnung, um einen Prozess in Gang zu setzen, welcher jedes mal neue Gemeinsamkeiten generiert. Selbst an den Stellen, wo keine Übereinkunft gefunden werden kann, erlangt dieses Fehlen von Gemeinsamkeiten eine neue besondere Bedeutung. Denn sie zeigt, das es eben nicht nur jene Dinge sind, welche uns das Besondere im Anderen - im Fremden - erkennen lassen, sondern gerade das Trennende uns unseren besonderen Wert und unsere Einzigartigkeit aufzeigt. Was uns wertvoll macht und uns festhalten lässt. Wertschätzung!
Und darum ist es wichtig, auch und gerade den noch Fremden in unseren Leben, mit Achtung und Respekt, mit Wertschätzung und daraus resultierender Ehrlichkeit gegenüber zu treten.
Dieser Weg ist immer offen und er sollte es für jeden sein. Denn fehlbar ist jeder von uns, das macht uns menschlich. Was wir daraus machen, zeigt wer wir sind.
Wer ist in der Zeit dein Bildner gewesen,
da der Menschengeist weich wie Wachs ist,
wo die Eltern uns nicht mehr halten können,
und andere Leute nicht nach den Zügeln greifen,
die hinter uns dreinschleifen
Wo wir die Straße hinunter rasen,
die auf den Marktplatz des Lebens führt,
auf jenen Platz wo das Schicksal so ernst fragt,
Was bist du wert?
Denn so steht es ja,
Zu allen Lebenszeiten haben wir bestellte Ratgeber und Führer,
Eltern, Schule und Gesetze, Erfahrungen, Freunde, Sorge und Not;
aber in den Jahren, da ein Frühlingssturm nach dem anderen
den jungen, überschlanken Bäumen über die Köpfe fährt,
da sind wir ungestützt und unberaten
Hei, wie knackte es! Wie stoben die Blätter!
Wir haben Narben davon an der Seele,
und fahle Stellen im Gezweig.
Gustav Frenssen
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Beginn,
Freundschaft,
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