5. April 2010

Hasenjagd und Kreuzworträtselvirus


Noch während ich meine fast schon traditionelle Latte Macchiato, nach der Heimkehr aus den wirren der Abendgestaltung zubereite, schreibe ich schon, solange die Eindrücke und Gedanken noch frisch sind, diese Zeilen auf.

Die heutige Abendgestaltung, oder besser die damit verbundene Veranstaltung, bezog sich thematisch und somit auch kalendarisch auf das Osterfest. In diesem Falle allerdings nur auf rein subtiler Ebene ohne jeglichen religiösen Hintergrund. "Hasenjagd" war angesagt.

Die Häsinnen erhielten im Eingangsbereich auf Wunsch eine komplette Bunnyausrüstung, nach der sich Hugh Heffner sicher seinen alten Hals verrenkt hätte. Sofern er denn anwesend und auch hingeschaut hätte. Nicht wenige Damen trugen einen lustigen weißen Bommel am Steiß, puschelige Fellohren auf dem Kopf und eine pinkfarbene Fliege am Hals. Der eine oder andere Herr wurde auch mit diesen Devotionalien gesichtet.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von zwei räumlich getrennten Tanzflächen, auf welchen man, dem Trend der Zeit entsprechend, zwischen House und Deep House / Elektro wählen konnte. Der Kleidungsstil der Damen war gelinde gesagt relativ einheitlich. Leggins mit Tunika, Nylons und Minirock oder klassische Jeans mit engem Oberteil wurde vornehmlich gesichtet. Die Herren waren ähnlich einfallslos bekleidet. Turnschuhe, Jeans und Hemd / Polo / T-Shirt war überwiegend vorhanden. Ähnlich einfallslos die Mimik und das Gehabe der Herren. Schwerfällig kampfbereit wirkten sie beim Betreten der Tanzfläche, grimmig dreinschauend musterten sie ihr Umfeld, um dann, die Hände tief in die Hosentaschen vergraben, leicht bucklig dastehend, als ob sie sich vor Angreifern schützen müssten und mit dem Takt folgendem Nicken der Köpfe einen Anschein von Anteilnahme an dem sie umgebendem Treiben darzustellen. Die Damen befinden sich mit ähnlich fragiler Mimik entweder auf der Tanzfläche oder in dessen Umfeld. In beiden Fällen wird aufs engste mit der Begleitfreundin getanzt oder herumgestanden. Die Blicke teilnahmslos und in sich gekehrt.

Aber ich möchte bei der Beurteilung der Abendgarderobe der Herren nicht ungnädig sein. Auffällig war ein Herr in weißem Anzug mit weißem Hut im Al Capone Stil. Erinnerte mich an CNP10 und zauberte mir ein anerkennendes Lächeln auf das Gesicht. Es gab schon ein paar wenige die sich bei der Bekleidungswahl etwas Mühe gegeben haben. Ich selber habe mich dank guter Argumente von Germanpsycho für meinen schwarzen Anzug und weißem Hemd im Italian-Style entschieden.

Letztlich vermisste ich doch das Vorhandensein der Möglichkeit eines klassischen Engtanzes. Sicher, für eine Begrenzung des Raumangebotes sorgten entweder die Spezialtänzer mit ihrer raumgreifenden Körperakrobatik oder die nicht enden wollenden Karawanen derer, die nur mal umhergehen wollen und sich umschauen, und dieses vorzugsweise durch die Reihen der Tanzenden. Ein Stück weit kam ich mir vor wie Keanu Reaves in Matrix, als er den Kugeln der Agenten ausweichen musste und dazu eine arg übertriebene Rückenlage einzunehmen hatte.
Aber gut, alles ist im Fluß, und ich selber immerhin flexibel genug, um einem groben Zusammenprall auszuweichen. Weitere Details des Abends werde ich in Kürze hinzufügen, mir drücken sich gerade die Augen zu.


(Bild) Hasenohren und tuffige Deckendeko vor virulenter Wandgestaltung



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen