4. November 2010

Feindbild Esoterik?


Laut Duden wird das aus dem griechischen stammende Wort Esoterik, mit dem Begriff "Geheimlehre" übersetzt. Dem Gegenüber steht der Begriff Exoterik, welcher in der selben Quelle als "für Außenstehende",  benannt wird.

Es geht also grob gesagt um das innen und außen.

Exoterik ist im Grunde schnell erklärt. Unter diesem Begriff fällt alles was messbar, kausal determiniert und linear ist.

Bei der Esoterik wird es schon schwieriger. Die Bandbreite dessen, was diesem Begriff an vermeintlichen Inhalten zugeschrieben wird, ist sicher unermesslich. Man könnte die hier genannten Attribute zur Exoterik im Grunde umkehren. Esoterik ist nicht messbar, akausal und nichtlinear.

Menschen sammeln Mineralien und schreiben diesen Wirkungen zu, welche nicht messbar sind. Menschen laufen mit Zweigen über Wiesen und meinen damit alle möglichen Wasser- oder Energieadern im Erdboden zu finden. Manche Menschen glauben an Engel die sich schützend oder auch leitend an ihre Seite stellen. Sehr viele Menschen gehen in die ...(fügen Sie bitte hier ein Gottes- oder Gebetshaus bzw. heiligen Ort ihrer Wahl ein)...und beten, oder nehmen an kultischen Zeremonien teil, in der Hoffnung auf diese Weise...! Ja, was hoffen diese Menschen? Was erhoffen sie dort zu finden, oder mit ihren Handlungen zu erreichen?

Das was sie alle dort zu finden glauben, oder zu erreichen wünschen, betrifft letztlich deren individuellen Bedürfnissen nach Sinn, Bedeutung und Zusammenhang.

Sinn, Bedeutung und Zusammenhang im Fühlen und Denken ist nicht messbar.
Sicher, Neuronenaktivität im Gehirn ist messbar. Aber kann man das flüchtige Gefühl des Glücks messen?
Wir wissen wie dieses Gefühl im Gehirn entsteht, wir wissen welche Neuropeptide ausgeschüttet werden. Wir wissen, wie unsere Sehnerven funktionieren, wie unsere Netzhaut die Photonen in elektrische Signale umwandelt. Aber wissen wir deshalb wie und vor allem warum der Anblick von etwas schönem uns glücklich sein lässt? Können wir Bedeutung messen?

Ich las heute ein Zitat von Joseph Ratzinger:

"Sinn, der selbst gemacht ist, ist im letzten kein Sinn."

Ich frage ernsthaft, wer denn bitte sonst, als jeder einzelne Mensch selbst, muß sich und seine Bedeutung im Leben, an jedem neuen Tag finden und erklären, sich mit Sinn erfüllen?
Sicher gibt es vielfältigste Orientierungshilfen und Herausforderungen die dabei helfen können. Diese aber wahrzunehmen und zu interpretieren hat jeder für sich selbst zu entscheiden.
Jeden Tag, weit über 6 Milliarden mal auf diesem Planeten.

Wenn also jemand einen besonderen Stein an einer Kette trägt, mit Zweigen über Wiesen läuft, betet oder an rituellen Zeremonien teilnimmt, oder sich auf die ein oder andere Art die Freiheit herausnimmt über den Tellerrand zu schauen, anders zu denken und dabei mit sich Zufrieden ist, niemanden damit ernsthaft in Gefahr bringt, so lasst ihn doch einfach. Es mag sein das es Spinnkram ist, nicht messbar, akausal und vielleicht sogar mehr als wunderlich.

Es gibt weitaus schlimmeres auf dieser Welt!

"Ich werde Ihre Meinung bis an mein Lebensende bekämpfen, aber ich werde mich mit allen Kräften dafür einsetzen, dass Sie sie haben und aussprechen dürfen."

Voltaire



Und das ist mein voller Ernst!

5 Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ich sehe das (natürlich) ein bisschen anders. Ob eine Gesellschaft zukunftsfähig ist, hängt essenziell vom Verhältnis von Verdummern und Aufklärern ab. Jeder Esoteriker mehr beschädigt im Mikrobereich diese Relation. Aber nur eine ausreichende Anzahl jener, die sich um eine rationale Welt- und Wirklichkeitserkenntnis kümmern, ist in der Lage, für wissenschaftlichen (und somit materiellen) Fortschritt zu sorgen. Kurz: Jeder Esoteriker schadet der Aufklärung, verhindert also den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit (um mit Kant zu sprechen).

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  3. Selbstverständlich ist es völlig in Ordnung, wenn ein Mensch an glücksbringende Heiligenfiguren, satanische Rituale, Wünschelruten oder ähnliches glaubt.

    Das ist jedem selbst überlassen. Ich kenne Menschen, die daran glauben, daß ein allmächtiges Wesen uns alle mal geschaffen hat, aber uns leider aus dem Paradies vertreiben mußte, weil wir einen Apfel aßen; dann aber seinen Sohn opfern mußte, um uns wieder von dieser Sünde zu befreien. Klar: Selbst Roger Corman hätte für diesen Plot eins auf die Omme bekommen, aber wenn Menschen das glauben wollen, stört mich das nicht.

    ABER: Diese Menschen glauben nicht nur für sich selbst an solche Dinge. Manche verbrannten dafür rothaarige Frauen. Andere flogen deswegen in Wolkenkratzer und brachten viele Menschen um.

    Wiederum andere weigern sich, ihren Kindern notwendige Impfungen oder echte ärztliche Versorgung zukommen zu lassen, weil sie sich auf irgendwelche Geisterheilkräfte berufen.

    Und das ist nichts, was mit „jeder nach seiner Facon” beiseite gewischt werden könnte. Sobald Menschen direkt durch solche Spinnereien zu Schaden kommen, ist nämlich Schluß mit Toleranz.

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  4. @Matt

    Ihre Ängste kann ich nicht zur Gänze teilen. Sicher, eine gewisse Anzahl von Verdummern kann irgendwann eine kritische Grenze erreichen, so das jenes Gleichgewicht kippen könnte. Aber meinen Sie wirklich das so etwas grundsätzlich möglich ist?
    Mit der selbstverschuldeten Unmündigkeit stimme ich mit Ihnen überein und würde sie sogar noch erweitern um den Punkt unbewusste Unmündigkeit.
    Die Aufklärung und mit ihnen einhergehend die naturwissenschaftlichen Errungenschaften, haben schon einen großen Berg von Aberglauben abgetragen. Ich denke die Zukunft wird weitere messbare Erkenntnisse bringen und zeigen, welche esoterischen Inhalte einen Funken Wahrheit enthalten und welche (um an dieser Stelle mal einen Ihrer schönen Ausdrücke zu verwenden) Rumpeldumm sind.

    @german psycho

    Ich gebe Ihnen in allen Punkten recht. Deshalb schrieb ich ja auch: "niemand ernsthaft damit in Gefahr bringt"

    Manchmal denke ich, solche Gedankengebäude sind Ersatzhandlungen für das Fehlen von etwas im Inneren. Quasi die Spiegelung eines psychischen Problems in eine äußere "greifbarere" Form.

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  5. Da muss ich widersprechen: Esoterik zeichnet sich ja gerade (und aus sehr guten Gründen) dadurch aus, dass sie sich bewusst jeder Messbarkeit entzieht. Deshalb kann und wird auch die Zukunft keine Erkenntnisse bringen. Immer, wenn Esoteriker sich Laborbedingungen unterwerfen, erweisen sich ihre Behauptungen als großer Humbug – und immer behaupten sie danach, dass die wissenschaftlichen Methoden ausgerechnet auf diesem Gebiet eben untauglich seien. Das nennt man Immunisierung gegen Kritik.

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